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Es ist vollbracht. Kernel 2.6.30 hat den Einzug ins core-Repository von Arch geschafft. Neben einigen Sicherheits- und Funktionsverbesserungen wurden auch einige Dinge geändert, die Die Funktionsweise des Kernels angepasst haben. Und soviel schon mal vorweg: Im Allgemeinen funktioniert es auch alles einwandfrei.

Aber eben nur im Allgemeinen. Und im Allgemeinen wird der neue Kernel nur Vorteile bringen. Aktueller, schöner, besser, funktionsreicher und alles und überhaupt. Es gibt allerdings auch Einzelfälle, wo dann eben nicht mehr alles so gut funktioniert …

Das nervigste, absehbarste, und gar nicht vom Kernel verschuldete Problem ist catalyst, ehemals fglrx, der offizielle ATI-Grafikkartentreiber. Den muss ich gleich aus mehreren Gründen verwenden. Erstens: radeonhd ist unausgereift. Es funktioniert nicht mal Video-Overlay (egal, ob es „Textured Video“ oder sonstwie genannt wird). Das bedeutet: Videos werden vom System berechnet und angezeigt, anstatt direkt über die Grafikkarte gerendert zu werden.

ATI: fail!

Nachteilig ist dabei: Es kostet wesentlich mehr Rechneleistung, und zudem sehen Videos dadurch ziemlich scheiße aus, weil das System sie nicht richtig rendern kann. Vermute ich jedenfalls, ich weiß nur, dass Videos, die nicht als Overlay (oder Textured Video) dargestellt werden, scheiße aussehen und das System stärker belasten.

Ebenfalls funktioniert es nicht mehr, dass MPlayer die Auflösung des Videos zur Laufzeit verändern kann, wie es bisher der Fall war. Das Fenster wird zwar angepasst, aber das Videobild bleibt immer in der gleichen – bei DVBT-Aufnahmen falschen – Auflösung. Nervig. Abhilfe schafft hier zwar „vo=sdl“, aber das Video sieht immer noch scheiße aus. Rafael hat in den Kommentaren zu dem Artikel noch eine Alternative dazu gepostet, die unerklärlicher Weise bei mir gestern noch nicht funktionierte, aber jetzt auf einmal plötzlich doch funktioniert.

Gut, das sei mal dahingestellt. Was ohne catalyst ebenfalls nicht funktioniert, ist brauchbare 3D-Unterstützung – Denn diese existiert bei radeonhd allenfalls auf dem Papier. Ich spiele ganz gerne mal eine runde OpenArena. Mit catalyst habe ich dort bei 1024er-Auflösung und höchsten Grafikdetails geschmeidige 60 Frames pro Sekunde (in der OA-Konfigurationsdatei limitiert, um eine konstante Framerate zu haben – maximal habe ich um die 80 FPS, wohlgemerkt mit einer Low-Budget-Krafikkarte). Mit radeonhd bekomme ich auf dem selben System und den selben Einstellungen maximal 10 bis 15 FPS.

Aber nicht nur das. Auch Hardwarebeschleunigte 2D-Anwendungen wie die Physik-Spielkiste Phun leiden. Mit catalyst flutscht es einwandfrei im Vollbild (1920×1080 Pixel), mit radeonhd ist Phun eine unbenutzbare Diashow.

Schuld ist hier allerdings natürlich nicht bei den Kernelhackern zu suchen, sondern bei der inkompetenten Bumsbude ATI, die zwar großkotzig am rumprahlen sind, Linux zu unterstützen, der ach-so-tolle „Linux-Support“ entpuppt sich bei näherer Betrachtung allerdings lediglich als Ubuntu-Support. Denn es wird jeweils nur Ubuntus aktueller Standard-Kernel unterstützt, und das ist derzeit nun mal nicht 2.6.30 …

Wie auch immer: Mit dem Umstieg auf 2.6.30 kann ich meine Grafikkarte nicht mehr nutzen.

Bootzeit

Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich ein sehr schnell startendes System habe. Etwa 11 Sekunden von GRUB bis X finde ich schon recht anständig. Nach 14 Sekunden startet auch Openbox. Also: Von GRUB bis benutzbar in 14 Sekunden halte ich für ein Standard-System, bei dem ich auf keinerlei Komfort verzichten muss, und dessen Init-Vorgang nicht groß Manipuliert wurde, sehr anständig.

Und ja, ICH PERSÖNLICH finde es SEHR relevant, wie lange mein System zum Starten benötigt. Und JA: Eine Sekunde mehr oder weniger macht bei einer Bootdauer von 15 Sekunden des Linux-Systems an sich eine MENGE aus. Um so ärgerlicher, dass mit dem neuen Kernel diese Bootzeit nun länger geworden ist. Statt nach 11 Sekunden startet X erst nach fast 13 Sekunden, Openbox initialisiert sich erst nach 15 Sekunden.

Ein Bootchart des Kernels 2.6.29 muss ich leider schuldig bleiben, habe aber natürlich auch für diesen Kernel nach installation ein Bootchart generiert. Die Werte dort entsprachen denen des Kernel 2.6.28 – Tja, und der Kernel 2.6.30 hat den Bootprozess mal um geschmeidige zwei Sekunden verlängert. Noch mal: JA, das halte ich DURCHAUS für Relevant!

Partitionen in PCManFM

Natürlich habe ich auch die neu implementierte Fastboot-Option ausprobiert. Fastboot soll den Initialisierungs-Vorgang des Systems durch paralleles aufrufen der nötigen Programme beim Starten beschleunigen. Allerdings …

… ergibt sich keinerlei Verbesserung. Das System startet sogar noch langsamer als mit dem 2.6.30er ohne Fastboot-Option. Zusätzlich kommt noch hinzu, dass PCManFM keine Laufwerke mehr anzeigt.

Ist zwar ganz angenehm so, deutet aber imho eher auf einen Fehler hin, da weder in PCManFM, noch in HAL definiert wurde, den Kram zu verstecken. Aufrufbar waren die Partitionen selbstverständlich durch direkte Eingabe von „/“ bzw. „/home“ in der Adresszeile von PCManFM. Und da ich in Fastboot sonst keinerlei Verbesserungen entdecken konnte, habe ich es wieder rausgenommen – Danach wurden die Partitionen und das DVD-Laufwerk wieder angezeigt, wie es sollte.

Fazit

Der Kernel 2.6.30 ist keiner, den ich sonderlich gut finde. Zwar hat sich intern ’ne Menge getan, und für die meisten Anwender wird sich auch eine Verbesserung einstellen – oder aber zumindest keine Verschlechterung – aber ich für mich persönlich ziehe aus dem Update folgende Schlüsse …

  • Video-Overlays gehen nicht mehr: Videos sehen scheiße aus und das Abspielen belastet das System unnötig stark zudem wird es dadurch instabiler
  • 3D-Unterstützung ist weg, Spielen geht nicht mehr und der Zeitvertreib mit Phun ist für mich unmöglich geworden
  • Das System braucht länger zum Booten
  • „Fastboot“ lässt das System nicht nur nicht schneller, sondern auch noch gefühlt langsamer starten
  • Bei aktivierter Fastboot-Option scheint das System nicht richtig zu arbeiten, und PCManFM kann keine Laufwerke und Partitionen mehr anzeigen

Aber das ist wohl nur ein Einzelfall …

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Der Beitrag wurde am 24. Juni 2009 veröffentlicht und unter Arch Linux, Bilder, Technisches, Wirres Zeug abgelegt.

4 Kommentare für „Kernel-rant, oder: Warum ich 2.6.30 nicht mag“

  1. Rafael sagt:

    mplayer -vo x11 -zoom

    löst wenigstens ein Problem!

    • Dirk sagt:

      WTF!? Ich habe das GENAU so ausprobiert, alles, was gestern war, war Ton, und die Statusanzeige an der Shell. Kein Bild. Warum geht das auf einmal?

      ATI macht Linux mit seinen Treibern und seiner Linux-Politik echt noch zu Windows von der Verwaltung her … ne ey … echt mal … ;)

      Danke für den Tipp (habe das bar jeder Hoffnung einfach noch mal probiert) .

  2. DC sagt:

    Selbst mir als Höchstgelegenheitslinuxuser ist ja bekannt, dass die Verbindung ATI und Linux eher in der Hölle als im Himmel geschlossen wurde. Willst du Linux nutzen, nimm ne nVidia Karte (und keine SSD von OCZ, sonst könnte es I/O Fehler hageln).

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0x7be.de – Dirk Sohler – https://0x7be.de/2009/06/24/kernel-rant/
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