Wie selbstverständlich werden heutzutage Instant-Messaging-Dienste verwendet, die Namen kennen wir alle, und wir alle haben auch bestimmt schon mal einen solchen Dienst genutzt. Aber was steckt eigentlich hinter den Abkürzengen MSN, ICQ & Co.?
Dieser Artikel – im Original im April 2007 von mir in einem Forum verfasst – erklärt zumindest einen kleinen Teil der Messenger-Welt von damals. Ich habe den Text nur geringfügig überarbeitet, und ihn auch nicht an die aktuelle Situation auf dem Messenger-Markt angepasst.
ICQ
Läuft mit einem proprietären Protokoll namens OSCAR, und wurde ursprünglich von Mirabilis entwickelt. Mittlerweile im Besitz von AOL, ist derzeit das meistverbreitetste IM-System. Das ursprüngliche, sehr auf TCP aufbauende Protokoll wurde nach der Übernahme von AOL stark an das AOL-Messenger-Protokoll angepasst.
Laut den ICQ-Lizenzbestimmungen ist es verboten, Software zu entwickeln oder zu benutzen, die nicht von AOL oder dessen Partnern angeboten wird. Auch darf man keine Programme nutzen oder entwickeln, in die man eine ICQ-Nummer in ein dafür vorgesehenes Feld eingeben kann, außer, AOL gestattet dies schriftlich.
Alles, was man über das ICQ-Netz schickt, geht ins Eigentum von AOL über, außerdem darf AOL alle Daten weitergeben, die man öffentlich zugänglich angegeben hat. Das schließt die ICQ-Nummer also ein. Außerdem behält AOL sich vor, alle IM-Nachrichten bei Bedarf an Strafermittlungsbehörden weiterzugeben, zudem findet keine richtige
Verschlüsselung statt, und alles läuft über AOL-Server.
Jabber
Das Kernystem XMPP ist von der IETF als Kommunikations-Standard anerkannt und basiert auf XML.
Für Jabber/XMPP gibt es nahezu beliebig viele Clients für alle gängigen Betriebssysteme. Zudem darf jeder, der möchte, einen eigenen Server betreiben, der entweder weltweit verfügbar ist, oder auch nur im Lokalen netz läuft. Über bestimmte Systeme ist mit einem
Jabber-Server auch kommunikation über IM-Systeme hinweg möglich.
XMPP bietet mehrere Verschlüsselungsmethoden an, einerseits Client-zu-Server und umgekehrt, und - wenn die Clients an verschiedenen Servern hängen, auch zwischen den Servern selbst. Als Verschlüsselung stehen SSL, TLS, PGP oder auch OTR zur Verfügung.
Y!M (Yahoo)
Mit Yahoo ist es das selbe Problem wie mit ICQ. Von den Funktionen her ist der Yahoo-Messenger mit dem Windows-Messenger oder dem Messenger von AOL ähnlich, allerdings nicht kompatibel.
Durch eine Kooperation von Microsoft und Yahoo, ist es mittlerweile möglich, zumindest reine Textnachrichten vom Windows-Live-Messenger mit dem Yahoo-Messenger zu empfangen, zudem gibt es den Messenger offiziell auch in Versionen für MacOS und Linux/Unix.
Gadu-Gadu
Der offizielle Messenger wird als Adware vertrieben, und somit über Werbung Finanziert. Der Original-Client ist dennoch recht schlank. Zudem kann er über viele Plugins erweitert werden. Seit einigen Versionen ist auch eine SSL-Verschlüsselte Kommunikation möglich. Darüber hinaus ist auch VoIP möglich.
„GG“ ist der weitverbreitetste Messenger-Dienst in Polen, und kann ab Version 7 auch Video-Konferenzen verwalten.
AIM
Der AOL-Mesenger ist einer der vier größten Messenger, AOL besitzt sogar ein IM-Patent. Nicht-AOL-Kunden ist es mit AIM möglich, eine AOL-Mailadresse zu haben, und gewises AOL-Dienste zu nutzen, ein großteil der Dienste bleibt aber AOL-Kunden vorenthalten, so unter anderem diverse per AIM zu benutzende Chaträume.
AIM unterscheidet sich nicht großartig von den drei anderen großen Messengern, außer, dass man - so man AOL-Kunde ist - einige Zusatzfunktionen wie automatische e-Mail-Benachrichtigung nutzen kann.
Auch hier gibt sich allerdings wieder das selbe Problem, wie mit ICQ: Es ist verboten, Alternativ-Clients zu entwickeln oder zu verwenden, allerdings kann man die Clients von AOL lizenzieren lassen, allerdings ist bisher kein einziger freier Client lizenziert worden.
MSN
„MSN“ gibt es in dieser Form nicht mehr. er wurde vom „Windows Live Messenger“ abgelöst. Der Messenger unterstützt kleine Spiele, automatische Mailbenachrichtigung für Hotmail-Accounts, oder auch Videokonferenzen.
Mit Installation des Programms erkennt man die Nutzungsbedingungen an, die besagen, dass Microsoft gestattet ist, e-Mails und IM-Kommunikation mitzuschneiden und auszuwerten, allerdings gibt es auch für den MSN-Dienst alternative Server, es ist aber stark anzunehmen, dass diese ebenfalls von MS oder MS-Nahen Firmen betrieben werden, und man so der Überwachung nicht entgehen kann.
Zudem ist es auch für MSN verboten, einen alternativen Client zu verwenden, sofern dieser nicht von MS offiziell lizenziert wurde.

