Meine ersten Linux-Erfahrungen habe ich mit „Open Linux 2.3“ der mittlerweile sehr für Spott sorgenden, und anders heißenden Caldera International gemacht. und es war eine schmerzvolle Erfahrung. Soweit ich mich erinnern kann, lief nach einer Installation meine Windows-Installation nicht mehr. Bzw. nach der Deinstallation von Linux.
Damals war ich noch jung und dumm, und wusste weder was über Bootloader, noch über Partitionen, bildete mir aber ein, fit genug für Linux zu sein, da ich „gut mit Computern umgehen“ konnte. Wie wir alle wissen – und ich mittlerweile auch – ist das allerdings was anderes, als zu wissen, wie man Windows bedient.
Aber mein Ausflug in die Linux-Welt war kurz. Nach dem Start konnte ich den PC kaum benutzen. Ich hatte kein Sound, die Auflösung war falsch, die Tastatur hatte US/Lazout das US-Layout (btw. mittlerweile für mich etwas sehr erstrebenswertes, weil zum Programmieren perfekt *g*). Für den täglichen Gebrauch startete ich weiterhin Windows, und wenn mir nach Linux war, rebootete ich, und sah mir den KDE-Desktop an.
Der Internetzugang damals war teuer, und ich hatte kein Geld, ergo war ich meist offline, und bekam das Modem unter Linux nicht zum laufen. Was mir also unter Linux blieb, war, mir den Desktop anzugucken, und die von Caldera mit KDE ausgelieferten Spiele zu spielen. Zum „Zocken“ und Surfen (das ging damals auch schon *g*) benutzte ich weiterhin Windows.
Und dann kam der Tag, an dem ich den Kram wieder deinstallierte. Die Spiele hatte ich durch, und Verstand immer noch nicht, wo denn unter Linux mein „c:“ ist. Mit der Linux-Deinstallation (bzw. der unfachmännischen Partitionierung) verschwanden auch meine Daten, die ich bis dato unter Windows gesammelt hatte. Der Karton landete in der Ecke.
Ich hatte auf Linux erstmal keine Lust und machte brav die Odyssee von Windows 95 über Windows 98SE und Windows ME zurück zu Windows 98SE und schließlich hin zu Windows XP mit. Einige Jahre, Neuinstallationen und Bluescreens später saß ich also vor einem Frisch installieren und einsatzfähigen Windows XP. Es funktionierte gut, und war auf meine Bedürfnisse angepasst und ideal Konfiguriert.
Ich kaufte mir irgendwann eine TV-Karte. Da die mitgelieferte Software völliger Murks war, suchte ich nach einer alternativen Software, und fand bald DScaler, welches meinen Anforderungen vollauf genügt, und meiner Meinung nach-wie-vor das beste Programm, für analoges Kabelfernsehen ist.
Dann irgendwann im Jahre 2006 wurde im Teleshopping-Spartensender eines großen Privat-Fernsehkanals ein Betriebssystem angepriesen. Wie wir alle wissen, handelte es sich dabei um eine Betaversion, die zum Vollpreis als fertiges Produkt vertrieben wurde. Gekauft habe ich es natürlich nicht, aber ich spürte wieder dieses Kribbeln.
Ich besorgte mir also eine Knoppix-Live-CD. Und wow, ich hatte Ton. Das erste Mal in meinem Leben hatte ich unter Linux Ton. Die Auflösung war immer noch falsch, aber das konnte ich korrigieren, auch, wenn es auf 60 Hz festgenagelt war. Damals wusste ich noch nichts von Modelines, und nahm es hin.
Hauptsystem war allerdings immer noch Windows XP – Knoppix ist ja „nur“ eine Live-CD. Mittlerweile war die Hardware völlig kaputt. Unfachmännische Basteleien verträgt selbst das beste Mainboard nicht. Im selben Jahr kaufte ich mir ein Laptop. Vorinstalliert war Windows XP. Ich wusste, wie es geht, richtete es mir gut ein, und konnte es gut benutzen. Das Laptop wurde mein Desktop-Ersatz (und ist es immer noch), und der Desktop wurde mein Fernseher.
Anfang Juni 2006 trat Linux wieder in mein Leben. Ich weiß noch ganz genau: Am 08. Juni 2006, irgendwann abends um 22 Uhr fasste ich den Entschluss, Linux zu installieren. Es war spontan, aber schon lange gewünscht. Ich lud das frisch erschienene Ubuntu Linux 6.06 LTS, mit dem Codenamen „Dapper Drake“ runter, brannte es, und installierte es auf meinem Laptop.
Und da kam dann was, das ich schon kannte: kein Ton. Aber diesmal wollte ich nicht aufgeben. Recherche in Foren und Wikis zeigte mir: Ich musste ein Kernel-Modul laden, und ihm dabei Parameter übergeben. Was ein Kernel war, wusste ich damals, aber ein Kernelmodul? Recherche, okay!
Kurz drauf hatte ich ton. WLAN? Okay, ich muss nur die interfaces-Datei anpassen. Was? Recherche, klar. Und wo ist mein „c:“. Ach, gibt es nicht? Wie dann? Recherche, klar. Und wie installiere ich einen IRC-Client? Aus den Paketquellen. Ähm … Achso. So bahnte ich mir schrittweise meinen Weg zu einem vollwertigen System.
Ubuntu in der Standard-Ausgabe nutzt Gnome. „Zwei Taskleisten?“ Nein: Panels. Gut, die kann ich sogar frei anpassen. Ziemlich schön. Aber das Theme sagte mir nicht so zu, auch das Ändern konnte ich dank Recherche und ausprobieren raus finden. Man, war ich begeistert, und auch ein kleines bisschen stolz. Ein paar Wochen später kannte ich mich schon recht gut aus, und wusste zumindest im Groben, was ich wo machen muss, um etwas zu bewerkstelligen.

Mein Desktop damals, Murrina als GTK-Engine
Ich ubuntute mit Dapper so vor mich hin. Ubuntu 6.10 schlug mich wieder zurück. Nach dem Update ging gar nichts mehr. Das war, soweit ich das beurteilen kann, die wohl schlechteste Ubuntu-Version bis dato. Also wieder neu installiert. Diesmal blieben sogar die Daten da, da ich wusste, was /dev/sda3 ist, und dass ich es nicht formatieren, aber unter /home mounten musste.
Ich blieb also bei 6.04.2 LTS – und es funktionierte weiterhin gut. Aber es war nicht so aktuell. Als Ubuntu 7.04 (Feisty Fawn) veröffentlicht wurde, entschloss ich mich, es einfach noch mal zu riskieren, da die neuere Software mich reizte. Also fuhr ich das Update, erst auf 6.10, und dann direkt auf 7.04. Wie erwartet hatte ich unter 6.10 völliges Chaos, um so erfreuter war ich, dass unter 7.04 alles wieder lief.

Schick, aber nicht sehr ergonomisch
Am 30. April 2008, also ein paar tage nach veröffentlichung von ubuntu 8.04 LTS (Hard Heron) aktualisierte ich auf eben jenes. Auch hier verlief alles gut. Doch irgendwie wollte ich mehr und weniger. Mehr anpassbarkeit und Kontrolle, mehr aktuelle Software, mehr nach meinen wünschen, und gleichzeitig weniger unnötige Pakete, weniger Ressourcenverbrauch, weniger Unänderbarkeiten.
Einen Eee-PC kaufte ich mir auch. Und hier installierte ich nicht Ubuntu, sondern ich „traute“ mich an Debian, wohlgemerkt in einer speziellen Eee-PC-Fassung, die der Original-Debian-Version identisch ist, bis auf ein par Eee-PC-Relevante Zusätze. Und diesmal verzichtete ich auf Gnome. Ich verwendete ein „nacktes“ X, gepaart mit Openbox, nachdem ich zuvor allerdings DOCH Gnome installiert hatte.
Mittlerweile habe ich den Eee-PC auch neu aufgesetzt, diesmal von Anfang an ohne Gnome. Und ich war zufrieden! Keine unnötigen Pakete, volle Kontrolle, allerdings auch mehr Schwierigkeiten. Wie ändert man ohne Gnome-Kontrollzentrum Hintergrundbild oder GTK-Theme? Kurz recherchiert, gelesen, verstanden – gemacht.

Der Eee-PC vor dem Umstieg auf Openbox-Only …
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt drei Verschiedene Versionen im Einsatz. Ubuntu 7.10 auf meinem Server, Debian-EeePC auf meinem Eee-PC, und Ubuntu 8.10 auf meinem Desktop(-Ersatz). Ich kannte mich mittlerweile recht gut aus, was nicht zuletzt dadurch kam – und dem auch zu gute kommt – dass wir in der Firma auf Debian setzen.
Nun kam am 30. Oktober 2008 Ubuntu 8.10 raus. Zuerst installierte ich meinen Server neu, worüber ich ja bereits schrieb, dann nahm ich ein paar Tage später mein Laptop in Angriff. Und zack: Wieder war’s das. Nach dem Update hatte ich kein Ton, kein Ethernet, kein WLAN, diverse Programme liefen nicht mehr, und Der Desktop war auch irgendwie hinüber.
Gar nicht lang gefackelt: Neu installiert, Danach lief die Kiste wieder sauber. Irgendwie war das Update wohl nicht ganz ordentlich durchgelaufen. Aber es dauerte nicht lange, da kam der Totalabsturz. Es lag nachweislich nicht an Ubuntu, dem Update, oder Linux generell, sondern an der Hardware. Und wenn ich genügend Geld hätte, würde ich das Problem auch beseitigen, habe ich nicht, also muss ich da mit Leben.
Aber dies nahm ich zum Anlass, was neues zu probieren. Ich hatte also die Wahl: Wieder Ubuntu, diesmal als Basis-Installation und dann selbst zum Desktopsystem aufbauen, Debian, oder was anderes. Ubuntu und Debian haben ein gutes Konzept, was Updates betrifft, allerdings sorgt es dafür, dass die Software nicht immer die aktuellste ist. Zudem „muss“ man alle paar Monate die Distribution aktualisieren, was mitunter starke Änderungen mit sich bringt.
Mein Stichwort war also „Rolling Release“. Darunter versteht man ein System ohne Distributionsversion. Das kann man sich so vorstellen: In den Paketquellen der Distribution ist jeweils die aktuelle Software-Version vorhanden, unabhängig von Major- Minor- oder Bugfix-Release, bei Ubuntu/Debian in der aktuellen Version zum Beispiel gibt es OpenOffice.org 2, weil es so aufgenommen wurde, OpenOffice.org 3 gibt es dort nicht.
Eine Rolling-Release-Distribution ist da – wie angesprochen – anders. OpenOffice.org gibt es dort, sobald der Verantwortliche es in die Paketquellen einpflegt. So ist das mit jeglicher Software. Wird nun eine neue Version veröffentlicht, so wandert alles aus der immer aktuellen Paketquelle in eine Veröffentlichungs-Quelle. In dieser Quelle bleibt die Software unverändert. Wenn man nun die aktuelle Version installiert, installiert man aus dieser unveränderlichen Quelle. Danach benutzt man automatisch die immer aktuelle Quelle.
Damit wird erreicht, dass nach der Installation eines solchen „Snapshots“ alle Installationen immer die selbe funktionierende Software haben, man nach der Installation sofort aber auf die jeweils aktuelle Software aktualisieren kann. Somit hat man nach der Installation ein System, das aus der Veröffentlichungs-Quelle installiert wurde, aber gleichzeitig auch ein System ohne Versionsnummer, da man immer die aktuelle Version der jeweiligen Software hat.
Das ist genau das, was ich will! Nach der Installation geprüftermaßen funktionsfähig, aber beim Updaten dennoch immer aktuell. Zur Auswahl stehen hier ernsthafter Weise Gentoo und Arch. Gentoo hat den Vorteil, dass jedes Paket exklusiv für die eigene Maschine kompiliert wird. Dies hat allerdings den Nachteil, dass ein Update mitunter extrem lange dauert, gerade, wenn viele Updates anstehen. Zudem wird Hardware durch das kompilieren sehr in Anspruch genommen. Auf einem Notebook, das eh schon nicht so flott ist, nicht schön.
Arch Linux hat den Vorteil, dass alle Pakete bereits kompiliert vorliegen, man sie also nur runterzuladen und zu installieren braucht. Nachteil hier ist, dass die Pakete „allgemein gehalten“ und nicht an das eigene System angepasst sind. Dies kann ich aber verschmerzen, und habe mich für Arch Linux entschieden.
Ich lud mir also den damals aktuellen Snapshot „2008-06“ runter, der alle bis zu diesem Zeitpunkt aktuelle Software installiert. Doch oh Hilfe! Die Kiste bootet nicht. Was war geschehen? Recherche! Noch mehr! Noch mehr! Verzweiflung: Neu installieren? Doch wieder Ubuntu? Dann der Hinweis: beim editieren der menu.lst von Grub hat der Editor eine Zeile blöder Weise auf zwei Zeilen umgebrochen. Korrektur in Grub: bootet. Jetzt, im System die Korrektur an der menu.lst – System bootet einwandfrei.
Tja, aber dann: Nacktes System. Keine User außer Root. Ich wusste ja schon einiges, also konnte ich auch einen User anlegen, X installieren, nachdem ich nachgelesen hatte, wie das geht, dann Openbox. Ein wenig weitere Software installiert, alles schön konfiguriert: System steht!

Mein aktueller Desktop unter Arch
Schön ist es. Schön und schnell. Die Konfiguration unterscheidet sich allerdings grundlegend von Debian & Co.: Praktisch alles Systemrelevante wird über eine einzige Datei – die „rc.conf“ – eingestellt.
Arch ist schon eine Nummer „härter“ als Ubuntu, gar keine Frage, aber wenn man erfahrener Anwender ist, was ich von mir einfach mal behaupten würde, kommt man damit gut klar. Das beste für mich ist aber, dass das System immer aktuell ist. Und um das zu erreichen, bedarf es lidiglich, alle ein zwei Tage eines einfachen Befehls …
pacman -SyuRelevante Links
- http://de.wikipedia.org/wiki/SCO_gegen_Linux
- http://blog.adimus.de/2007/10/16/howto-...rtitionieren-der-festplatte/trackback/
- http://www.felix-schwarz.name/files/opensource/articles/Linux_ist_nicht_Windows/
- http://anti.teamidiot.de/mrtweek/2006/1..._auf_tastatur_mit_us-layout/#trackback
- http://de.kde.org/
- http://www.linuxhaven.de/dlhp/HOWTO/DE-Modem-HOWTO-14.html
- http://www.kubieziel.de/blog/comment.php?type=trackback&entry_id=906
- http://so-nicht.blog.de/2008/05/26/ware...e-infromationen-hilfreich-wind-4225736
- http://www.dscaler.org/
- http://www.golem.de/0604/44884.html
- http://www.einsteiger-blog.de/76-knoppix-501-die-mutter-aller-live-cds.html
- http://blog.everyday-digital.de/notebook-desktop-ersatz/
- http://www.ubuntu.com/
- http://ubuntuusers.de
- http://blog.starke.cc/2008/01/26/statische-ip-adresse-unter-linux/trackback/
- http://linux.die.net/man/7/hier
- http://wiki.ubuntuusers.de/Paketquellen
- http://www.ipernity.com/doc/dirk/3182590
- http://www.gentoo.de/
- http://www.archlinux.de/
- http://www.gentoo.org/doc/de/gentoo-upgrading.xml
- http://wiki.archlinux.de/?title=Pacman
- http://www.archlinux.org/download/
- http://bbs.archlinux.org/viewtopic.php?id=47709
- http://www.x.org/wiki/
- http://icculus.org/openbox/index.php/Main_Page
- http://wiki.archlinux.de/index.php?title=Rc.conf


wow das nenn ich mal einen Artikel. :)
aber ein update unter ubuntu ist auf der konsole auch schnell gemacht. oder per grafischer oberflächer sogar automatisch (ähnlich wie bei windows)
Wenn dir Arch schon gefällt guck dir mal FrugalWare an :)
Ich selbst habe mit Debian Woody Angefangen und bin dann über Sarge zu Fedora gewechselt (seit Fedora5 bis jetzt (fedora12)) – heute versuche ich mal Arch. Dank deinem Artikel